Oolong Tee

Oolong-Tee ist die wohl handwerklich anspruchsvollste aller Teesorten. Sein Name bedeutet «schwarzer Drache», und in seinem Wesen lebt etwas Drachenartiges: das Wechselspiel von Hitze und Kühle, von Bewegung und Stille, von grün und dunkel. Oolong-Tees liegen zwischen Grüntee und Schwarztee — sie sind teiloxidiert, von 10 % bis über 80 %.

Die Verarbeitung gehört zu den komplexesten in der Teewelt: Sonnenwelkung, Innenwelkung, Schütteln und Trommeln in Bambuskörben, um die Blätter sanft zu verletzen und die Oxidation einzuleiten, anschliessend Pfannenröstung, Rollen, Trocknen — bei vielen Tees gefolgt von einem zusätzlichen Röstprozess über Holzkohle.

Oolong-Tee — Blätter und Aufguss

Zwei Grundformen

• Dunkle, offenblättrige Oolongs — 35–90 % oxidiert. Lange, offene Blätter; dunkel, vollmundig, mit gerösteten und mineralischen Noten.

• Jade-Oolongs (Balled Oolongs) — 10–80 % oxidiert. Zu kleinen Kugeln gerollt; floral, cremig und grün.

China — die drei grossen Oolong-Regionen

Anxi County, Fujian — die Heimat von Tie Guan Yin

Tie Guan Yin («Tee der eisernen Göttin der Barmherzigkeit» ist der berühmteste gerollte Oolong der Welt. Drei klassische Stilrichtungen prägen ihn:

• Grüner / leicht gerösteter Stil — frisch, blumig, jasminartig, mit cremiger Süsse. • Mittelröstung — floral mit toast-karamelligen Noten. • Traditionelle Dunkelröstung — komplex, warm, dunkel, mit Noten von Honig und gerösteten Nüssen.

Wuyi-Berge, Fujian — die Heimat der Felsen-Oolongs

Seit 1999 sind die Wuyi-Berge UNESCO-Welterbe. Auf ihren felsigen Hängen wachsen die berühmten Yan Cha («Felsentees») — dunkle Oolongs mit einer einzigartigen mineralischen, an nassen Stein erinnernden Note (im Englischen «yanyun» oder «petrichor»):

• Da Hong Pao (Grosse rote Robe) — Der berühmteste Felsen-Oolong; aus den legendären Muttersträuchern können bis zu 1 Million USD pro Kilogramm gefordert werden. 35–50 % oxidiert, mittel bis stark geröstet. Vollmundig, blumig, holzig, mit langem süssem und leicht rauchigem Nachklang. • Rou Gui (Cassia / Zimt) — Mit deutlicher Zimt- und süss-würziger Note. • Shui Xian (Wassergeist / Narzisse) — Karamell-honigartiger Charakter. • Shui Jin Gui (Goldene Wasserschildkröte) — Dunkle Schokolade in der Nase, blumig-süss am Gaumen.

Phoenix-Berge, Guangdong — die Heimat der Dan Cong

Dan Cong («aus einem einzigen Baum») bezeichnet eine Familie von Oolongs, die jeweils von einem einzigen alten Baum oder einer Pflanzengruppe stammen. Mehr als 3'000 Bäume sind über 100 Jahre alt. Jeder Dan Cong hat ein eigenes blumiges Aromaprofil:

• Mi Lan Xiang («Honig-Orchideen-Duft») — der bekannteste Dan Cong. • Gui Hua Xiang («Osmanthus-Duft») • Ya Shi Xiang («Entenmist-Duft») — trotz des Namens ein floraler, aprikosenartiger Tee mit Rohzucker-Süsse.

Taiwan — das Königreich des modernen Oolong

Taiwan hat in den letzten 50 Jahren die Welt der Oolongs neu definiert. Die Insel ist zwar kaum grösser als die Schweiz, beheimatet aber Dutzende von Mikroklimazonen — und die Hochlandgärten über 1'000 Meter («Gaoshan») produzieren einige der gesuchtesten Tees der Welt.

Hochland-Jade-Oolong — Aus Ali Shan, Li Shan, Mei Shan und Lishan. Hell, cremig, intensiv blumig, mit einer Frische, die nur Höhenlage und Nebel hervorbringen können.

Bao Zhong (Pouchong) — Aus der Wenshan-Region südlich von Taipeh. Mit 8–12 % Oxidation der hellste, grünste Oolong überhaupt. Hochfloral, mit Noten von Lilien und Maiglöckchen.

Bagua Shan Dong Pian und Competition Bagua Shan — Aus dem Bagua-Gebirge, mit feiner balancierter Röstung und cremiger Textur.

Jin Xuan / Milchoolong — Aus dem 1981 freigegebenen Kultivar Nr. 12. Natürlich seidig, mit einer butter-cremigen, fast milchigen Textur und Orchideennoten — ganz ohne künstliches Milcharoma.

Oriental Beauty (Dong Fang Mei Ren) und Bug Bitten — Wohl die ungewöhnlichste Geschichte: Dieser Tee gelingt nur, wenn die Sträucher von kleinen Zikaden (Jacobiasca formosana) gebissen wurden. Der Insektenstich löst die Oxidation aus, während die Pflanze in Selbstverteidigung Stoffe produziert, die dem Tee seinen unverwechselbaren Honig-Trauben-Charakter verleihen. 60–65 % oxidiert, gerollt, mit fünf sichtbaren Farben im Trockenblatt.

GABA-Oolong — Ein moderner Spezialtee, bei dem die Blätter abwechselnd Luft und Stickstoff ausgesetzt werden. Hoher Gehalt an Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), beruhigend, schlaffördernd.

Pomelo Flower — Eine seltene Spezialität: ein Oolong, der mit den Blüten der Pomelo-Frucht parfümiert wurde — ein Beispiel dafür, wie chinesisch-taiwanesische Tradition und Parfümierung an der Quelle verschmelzen können.

Zubereitung

Oolong-Tees verlangen heisses Wasser und mehrere kurze Aufgüsse — die ideale Methode ist Gong Fu Cha mit einer Gaiwan oder einem Yixing-Kännchen:

• Wassertemperatur: 90–100 °C • Westliche Zubereitung: 2–3 g auf 200 ml, 3 Minuten • Gong Fu: 5–8 g auf 100 ml, 20–40 Sekunden pro Aufguss, 6–10 Aufgüsse möglich

Mit jedem Aufguss enthüllt ein guter Oolong eine neue Facette — vielleicht die schönste Lektion, die Tee uns lehren kann. Entdecken Sie unsere gesamte Auswahl an Oolong-Tees.